Vom Winde verweht...

von Freddy Lietz

Neben einem vorhandenem Wildbestand und die richtige Platzauswahl für den Ansitz ist eine bestimmte Variable wohl von gößter Bedeutung. Achtet man nicht auf diese Variable, wird es schwierig Wild in Anblick zu bekommen. Die Variable ist der Wind! Der Hochsitz, genannt “Zange“ ist unser heutiges Beispiel. Ich möchte euch einen Versuch zeigen, den ich vor kurzem gemacht habe.

Die Kirrung ist oft angenommen – von Waschbär, Dachs und Reh über Sau ist alles vorhanden. Regelmäßig wird diese Kirrung von mir beschickt und auch von unserem Wild gut besucht. Die GPS Kamera kommt an jedem Abend zum Einsatz und sendet, sofern sie funktioniert und geladen ist, zahlreiche Bilder. Sauen lieben die verwunschene Ecke dieses Revieres und nehmen diese Kirrung teilweise mehrmals pro Nacht an. Doch warum erzähle ich euch das ? Ich verrate es euch gleich...

Bequem und flauschig steht sie da – die Kanzel. Ein kleiner Pirschweg führt vom Hauptweg zu ihr und man kommt leise an die Kanzel heran. Jedes Mal schlägt das Herz höher, wenn ich diese Ecke sehe.

Doch könnt ihr euch vorstellen, das von dieser Kanzel in den letzten 3 Jahren kein Wild erlegt worden ist ? Schon häufig versuchten wir unser Glück auf Sauen dort. Kaum Anblick und kaum Geräusche.Oft erschien das Wild erst nach Abbaumen und Verlassen des Standortes. Auch wenn die allgemeine Wetterlage einen guten Wind hervorbrachte, scheint diese Ecke vom Winde verweht zu sein.

In einer Jagdzeitschrift bin ich dann auf einen Versuch mit einer Rauchbombe gestoßen. Nicht lange gefackelt, war die Rauchbombe bestellt und wenige Tage später da. Jetzt wollte ich es wissen. Ich wollte wissen, wie der Wind den Rauch und somit auch die Düfte des Jägers verteilt. Mit keinem anderen Mittel als einer Rauschschwade kann man dies besser beurteilen.

Obwohl wir an den meisten Tagen konstanten Westwind haben und diese Windrichtung scheinbar die Beste für diese Kanzel ist, muss dort irgendwas anders sein...

Wir zündeten die Rauchbombe innerhalb der Kanzel in einem sicheren Gefäß. Die Rauchbombe hat eine Brenn- / bzw. Rauchdauer von etwa 1 Minute und bringt laut Angaben etwa 8m³ Rauch hervor. Die Kamera war justiert und voller Spannung führte ich diesen Versuch durch. Trotz straffen Westwindes ( von der Kirrung Richtung Hochsitz – also ideale Voraussetzungen für einen Ansitz ) konnte man etwas spannendes beobachten... Der Wind kräuselte – und zwar sehr stark. Der Rauch zeigte uns wie stark der Duft des Jägers verteilt wird. Es wurde sofort klar – das war der Grund zahlreicher vergeblicher Ansitze. Die gesamte Ecke steht geografisch unter dem Hauptwind und der Wind wechselt an dieser Stelle minütlich um 90° - wir hatten bei allen Versuchen ( 4 Stück ) Wind von allen Seiten. Teilweise drehte die Schwade nach wenigen straffen Metern ab und zog entgegen der Windrichtung Richtung Kirrung. Im Prinzip verstänkert der Jäger bei jedem Ansitz die vollständige Umgebung. Dies bringt nicht nur keinen Anblick sondern auch starke Unruhe in die Umgebung.

Noch weit um den Sitz herum konnte man den Rauch erkennen und obwohl wir 20 Meter von der Kanzel entfernt standen und das auch gegen den Wind, konnten wir den Rauch deutlich riechen. Wenn wir den Wind riechen – dann hat unser Wild es schon 1000 mal wahrgenommen.

Etwa 20 Meter hinter dem Sitz ( Richtung Pirschweg / Hauptweg )ist ein Windkorridor. Dieser wird wohl ein besserer Standort für die Kanzel sein. Hier wird der Wind straff weg getragen und kräuselt nicht.

Erkenntnisse, die nicht nur spannend sind, sondern auch sehr hilfreich...Sie werden wohl die nächsten Revierarbeiten, Ansitzüberlegungen und Analysen beeinflussen.

Waidmannsheil - Euer Freddy

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