Das Wärmebild und die Nacht der Sauen

von Freddy Lietz

Wie einige von euch ja bereits wissen, ist Anfang des Jahres 2018 das Wärmebildgerät Pulsar Helion XQ 50F bei mir eingetroffen. Ich möchte hier keine Produktvorstellung beschreiben, sondern meine unfassbaren Erlebnisse mit diesem Gerät. Eines steht bereits nach einem halben Jahr fest - wie habe ich das bloß ohne Gerät gemacht?? :-) Es ist April-Mond....

 ....und im Revier ist gut Bewegung. Die Sauen ziehen fleißig umher und das reine Waldrevier brodelt nachts im Unterholz.

Es ist 20:00 Uhr und wir stehen an der Jagdhütte und verteilen die Sitzauswahl. Ein Gast und unsere lieben Mitjäger sind mit von der Partie. Die Kirrungen habe ich regelmäßig kontrolliert und es ist alles vorbereitet. Ein Sau-Abend wie im Buche - leicht bewölkt, der Mond wirft keine Schatten, die Wolkendecke ist dünn genug um alles klar erkennbar erscheinen zu lassen. Es sitzen alle... auch ich :-) Vor mir eine Kyrillfläche neu aufgeforstet. Mitten im Revier habe ich mein Plätzchen ausgewählt. Die Kirrung ist auch hier gut angenommen. Es ist mittlerweile 20:40 Uhr und es dämmert. Gerade eingerichtet, rummst es schon im Unterholz der Aufforstung. Es ist nichts zu sehen – gar nichts. Die Kirrung - leer. Wieder ein starkes Knack auf etwa 100 m. Ich greife zu meiner Wärmebildkamera um eventuelles Wild zu lokalisieren. Ruhig und bedächtig schweift mein Wärmeblick durch die Aufforstung, entlang am gegenüberliegenden Hochwald Hang. Da! 3 starke Sauen haben die Dickung verlassen und stehen sogar noch bei gutem Büchsenlicht im Hang und Stehen im Gebräch. Mit dem bloßen Auge auf etwa 150m gerade erkennbar hat es die Wärmebildkamera allerdings deutlich einfacher gemacht.

Langsam ziehen die Sauen weiter und verschwinden wieder in der vor mir liegenden Aufforstung. Na, das geht ja gut los hier - dachte ich mir. Die Wärmebildkamera gerade an die Seite gelegt, rummst es erneut in der Aufforstung. Diesmal rechts von mir. Auf gut 50m zieht eine Rotte Sauen bei mittlerweile gutem Mondlicht aus der Aufforstung um dann im rechten Gegen-Hang im Hochwald zu verschwinden. Mittels der Wärmebildkamera konnte ich die Rottenstruktur klar ausmachen. 5 starke Stücke und 3 kleinere - vermutlich Frischlinge aus dem Vorjahr. Ein Schuss war hier nicht möglich. Dennoch ein toller Anblick - oder? Mittlerweile ist es 22 Uhr und es rumpelt erneut in der Aufforstung. Die 3 Sauen von Anfangs sind wieder da. Diesmal steuern sie die Kirrung an. Die Büchse liegt bereit und die Sauen stehen bei gutem Wind nun an der Kirrung. Das zerknacken der Maiskörner hallt durch den abendlichen Wald. Es ist dieses Schmatzen und Grunzen, was mich einfach glücklich macht. Der Wind steht mir im Gesicht - alles perfekt. Jetzt fragt ihr euch, warum ich soviel schreibe? Warum schießt der nicht?

Es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Die Wärmebildkamera auf die Kirrung gerichtet, zeigte sie mir gestochen scharfe Sauen. Kugelrund! 3 dicke kugelrunde Sauen. So unmittelbar kurz vor dem Frischen, vertrete ich hier keinen Schuss. Ein dennoch tolles Bild vor mir. Ganze 45 Minuten stehen sie nun an der Kirrung. Parallel rumpelt es im rechten Hang. Die Pulsar Helion ist gut aufgeladen und lässt mich einen starken Keiler entlarven. Was ein Brocken - dachte ich mir. 150m im Hang. Für einen Büchsenschuss im Hochwald würde neben der Entfernung auch das Licht fehlen. Zügig zieht er den Hang entlang und lässt mich ihn auf gute 100kg schätzen.

Es wird unruhig. Der Keiler ist weg gezogen, die 3 Sauen werden nervös. Ein Blick durch die Pulsar verrät 2 abgestoßene Überläufer in der Aufforstung. Ein Bild für die Götter. :-) 5 Schweinegesichter schauen sich auf 30m tief in die Augen. "Was macht ihr hier?" Deutlich zu erkennen sind die Pinsel und die erhöhte Wärme im Bereich unterhalb des Pürzels. Keilerchen :-) Die 3 starken Sauen drängen die Überläufer stets weg und die beiden Kollegen kommen kaum an die Kirrung. Es zieht sich bis etwa halb 12 Uhr. Ein Ansitz geprägt von jeder Menge Sauen, hin und her Gelaufe, viel Geknacke und vor allem viel Anblick – Anblick, welchen man trotz schlechter Schussbedingungen ohne das Wärmebildgerät nicht gehabt hätte.

Der Zeitpunkt ist gekommen. In der Aufforstung steht die nächste Rotte in der Warteschleife. Vor mir auf der Kirrung befinden sich im Vordergrund die 3 starken Sauen. Im Hintergrund, sich scheinbar arrangiert, die beiden Überläufer. Ein kurzer Blick durch das Wärmebildgerät bestätigt mir, dass es sich um die männlichen 2 Stücke handelt. Die Blaser R 8 ist gespannt und der rote Punkt bleibt kurz hinter dem Blatt stehen. Der Schuss hallt durch die Nacht. Ein riesen Gerumpel, Geschnaube in und an der Aufforstung.

Mein Blick richtet sich auf den Anschuss. Vom Sitz aus ist nichts zu sehen. Weg - alles weg. Selbst die Wärmebildkamera zeigt mir nichts. Es herrscht Stille. Ich bewege mich zum Anschuss - nach kurzer Zeit zeigt mir Luna, welche stets dabei ist, sofort Lungenschweiss. Gut - sehr gut. Ein Blick in die Fluchtrichtung mit der Wärmebild bestätigt mir die Sau. Sie liegt wenige Meter vom Anschuss mit einem sauberen Schuss. Erfolgreich, aber vor allem auch zufrieden, die Stücke Schwarzwild so sauber selektiert zu haben. Für mich wäre ein Schuss auf eine der dicken hochbeschlagenen Bachen nicht auszudenken gewesen. Auch in Hinblick auf die ASP habe ich Hemmungen. Waidmännisch jagd wie´s sich gehört.... Es liegt ein Überläuferkeilerchen. Perfekt. Kurze WhatsApp in die Gruppe: Sau liegt.

Es folgt das, was die Jagd zudem ausmacht. Gemeinsames Beisammensein, Bergen, und natürlich tolle Momente an der Jagdhütte. Ein besonderes Schmankerl: Die Wärmebildkamera hat das Ganze per Videodatei festgehalten. Der ein oder andere konnte diesen Kurzclip bei Instagram bereits sehen.

Ich wünsche euch auch weiter tolle Erlebnisse, Momente und Situationen , vielleicht auch bald mit einer Wärmebildkamera. Waidmannsheil - Euer Freddy.

 

 

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