Weizenschweine - unverhofft kommt oft...

von Freddy Lietz

Weizenjagd im Sommer - unverhofft kommt oft. Ein Naturschauspiel und epischer Abend liegt hinter mir. Begleitet mich auf meinem Ansitz :-)

Es ist Donnerstag und wir haben 19:30 Uhr. Vorsichtig fahre ich vor dem Ansitz die Weizenkante mit meinem Fahrzeug ab. Frischer Schaden, neue Wechsel in das Feld, sowie frische Hinterlassenschaften der letzten Nacht sind zu sehen. Vor 4 Tagen saßen Jasmin, meine bessere Hälfte, und ich an jenem Weizenschlag. Turbulente Szenen spielten sich gegen 23 Uhr ab – die große bekannte Rotte wechselte ein. Um die 25 - 30 Sauen zogen in das Weizenfeld. So schnell wie sie da waren waren sie auch wieder weg – der Wind ? Ganz egal woran es gelegen hat – sie waren überdurchschnittlich vorsichtig und es bot sich keine Chance.

Nun stehe ich inzwischen am geparkten Fahrzeug und schaue auf die fahrbare Kanzel an jenem Weizenschlag. Das Wetter bietet eine epische Kulisse, schwere Unwetter am Horizont lassen mehrere sich verzweigende Blitze tanzen. Das Grummeln und die düsteren Wolken bieten ein einzigartiges Naturschauspiel. Wie abgehackt trennt eine saubere Wolkenlinie das Unwetter von einem klaren Himmel. Hier steht bereits der Mond hoch am Himmel und scheint fleißig auf mein Weizenfeld.

Auf dem Sitz eingerichtet schauen Luna und ich gemeinsam auf das Weizenfeld direkt vor uns. Das Weizenfeld und der große Rapsschlag direkt daneben, welcher der Tageseinstand der Sauen ist, wird von einem Feldweg getrennt. Gute Bedingungen um die Sauen abzupassen und gegebenenfalls eine heraus zu schießen.

Inzwischen ist es 23:15 Uhr und am Horizont zuckt es weiter – nur das Grummeln entfernt sich weiter weg. Licht ist immernoch genug da, doch es ist totenstill. „Wo mag sie sein – die große Rotte ? “ Sie ist in den umliegenden Revieren auch bekannt und auch dort schwierig zu bejagen. Heute hier morgen da, doch wo sie auch immer ist – der Schaden ist in der Regel sehr hoch.

In Gedanken vertieft, denke ich über einen Standortwechsel nach – da konnte ich ein leichtes Knacken vernehmen. Da ! Rechts im Rapsschlag ist etwas. Als ich das Glas hebe, bietet sich mir der Anblick einer einzelnen etwas schwereren Sau. Bedächtig zieht sie über die Schneise in das Weizenfeld. Die Waffe zügig im Anschlag warte ich auf den Rest der Bande, welcher bald folgen sollte. Oder nicht ? Totenstille. Als ich begreife, dass es sich um eine einzelne Sau handelte war mir klar, dies muss ein männliches Stück sein. Der Gedanke war nicht zu Ende gedacht, als die Sau urplötzlich schnaubte und hochflüchtig in den Raps flüchtete. Was war das jetzt ? Der Wind ging gut?! Ruhe bewahren hieß es nun. Spannung lag in der Luft. :-)

Nach gefühlten Stunden knackte es zu meiner Rechten im Raps. Auch hier trennte den Raps ein kleiner Feldweg. Es folgte ein großer frisch abgeernteter Gerstenschlag. Ohne groß mit dem Glas zu schauen, bereitete ich mich bereits darauf vor, dass die Sau wohl möglich über die Gerstenstoppeln raus wechseln wollte. Um 23:45 dann – ein großes schwarzes Haupt am Rapsrand. In Bruchteilen einer Sekunde überfiel sie den Feldweg und trottete zügig mit erhobenem Pürzel über die Stoppeln. Bereits fest im Visier verfolge ich sie mit der Hoffnung, dass sie stehen bleibt und ein sauberer Schuss anzubringen ist. Dem war nicht so. Sie wurde immer zügiger.

Fest im Visier lies sie ein beherzter Pfiff stehen, der Schuss hallte durch die gewittrige Nacht und bannte die Sau sofort an ihren Platz. „Puh – das war ja jetzt was.. „

Nach 10 Minuten traten Luna und ich zur Sau. Ein stattliches Keilerchen lag dort. Erleichtert und trotzdem fix und fertig setze ich mich für einige Zeit ans Stück. Lauwarme Luft weht uns um die Nase, die Nacht scheint weiter ruhig zu bleiben. Der Mond zeigte sich zwischen den vereinzelten dunklen Wolken und wir luden die Sau auf.

Zwar war es nicht die große Rotte, dennoch vermehrt sich dieser Kollege nicht mehr, produziert auch keinen Schaden mehr und vor allem bietet er nun ein hochwertiges Nahrungsmittel. Immer wieder bleibt die Saujagd für mich, wie auch vielen anderen, die Krönung der Nachtjagd. Diese Nacht war dann um 2 Uhr für mich zu Ende und ich hatte noch einige Stunden Schlaf bis zur Arbeit :-)

 

Waidmannsheil

Euer Freddy

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