Der schwache Jährlingsbock

von Freddy Lietz

Der schwache Jährlingsbock - ein spannender, spontaner Ansitz ohne Ansitzeinrichtung, viel Nerven und am Ende ein perfekter Abschussbock.

Bereits einige Tage zuvor hatte ich den schwachen Bock bereits in einen der zahlreichen kniehohen Wiesen entlang des Weges ausmachen können. Vom Auto aus war schon klar, das es sich hier um einen schwachen Bock handelte. Der Wiesenschlauch entlang des Feldweges wurde eingefasst von 2 größeren Waldbereichen. Ein Rehwildparadies - hier wechseln sie stetig von Wald zu Wald und müssen lediglich durch die Wiesen und einmal den Feldweg kreuzen - und das entlang von 2 Kilometern.  An jenem Abend entschloss ich mich spontan raus zu gehen. Innerhalb der Wiese, durch welche ein kleiner Bach schlängelte, standen vereinzelt 7-8 mittelalte Fichten  und bildeten eine kleine Gehölzgruppe. Der Wind stand mir bereits beim Angehen im Gesicht - perfekte Voraussetzungen... Aber Leute ... wartet ab...:-) Auf einem kleinen klappbaren Stuhl machte ich es mir bequem - immer die Stelle im Auge an der ich den Bock bereits einige Male sehen konnte. Verdeckt in den sicheren Fichten hatte ich trotz fehlender Ansitzeinrichtung gute Voraussetzungen unbemerkt zu bleiben. 20 Minuten sind vergangen als lautstark ein Motorradfahrer meinte, den Feldweg an mir vorbei zu rauschen. Meine Laune war super ;-) Weitere 20 Minuten vergingen als eine jüngere Dame mit samt Hund ( löblicherweise an der Leine ) an mir vorbei lief. Der Mann aus dem Wald grüßte freundlich und sie erschrocken aber freundlich zurück. Parallel hörte man das Rehwild im Wald abspringen, welches wohl kurz vor dem Ausstreten war. Klasse, ne ? Auch das gehört dazu. 

Eine Stunde ist vergangen, als ich am Waldrand das Haupt eines Bockes erblicken konnte. Gerechnet habe ich nicht mehr damit. Beim Ansprechen wurde mir klar, das es mein Ziel- Bock war. Schwache kurz unter Lauscher-Hohe Stangen - ehm - Stängchen zierten sein Haupt. Im Wildbret einigermaßen stabil wechselte er zügig in die vor mir liegende Wiese. Auf gut 80 Meter äste er in aller Ruhe. Mein Primos Zweibein war bereits ausgeklappt und die R8 gespannt - spitz von hinten, spitz von vorne, spitz von überall - nur nicht breit stand der da. Meine Bock fest im Auge - hörte ich wie es hinter mir auf dem Feldweg polterte. Ein schwerer Trecker mit klapperndem Anhänger rumpelte über den Weg. Dem Bock war das zwar nicht egal, jedoch äugte er mißtrauisch in diese Richtung. Ich hatte das Gefühl das mir nun nicht mehr lange Zeit bleibt, da er immer unruhiger wurde. Als der Trecker außerhalb unseres Dunstkreises war - drehte er sich und stand nun breit. Breit im nun Hüfthohen Gras. Breit im hüfthohen - wo-nur-der-Träger-heraus-schaut-Gras. :-)  Doch er machte weitere Schritte nach vorn und stand nun frei. Als die Kugel aus dem Lauf war, wurde mir bewusst, das in der gesamten Wiese nur diese eine Stelle frei war. 

Die bleifreie Barnes Vor-TX im Kaliber 8x57 machte wiedermal einen guten Job. Viel Schweiß und gute 20 Meter später lag der Bock bei besten Küchen-Blattschuss. Der Bock hat mich einige Nerven gekostet jedoch hat sich meine spontane Entscheidung, mich in die Fichten zu setzen, gelohnt. Da für mich unser Brauchtum und unser Respekt gegenüber dem Wild sehr sehr wichtig ist, wurde der Bock am selbigen Abend mit dem Jagdhorn verblasen. Nun hängt er mit samt Bruch im Äser in der Kühlung - der nächste Schritt zur nachhaltigen Verwertung. Schon jetzt freue ich mich auf die Gillsaison. 

Waidmannsheil - Euer Freddy

Einen Kommentar verfassen

Kommentare

  • Keine Kommentare gefunden